Spoilerarm
Manche Filme enden nicht, wenn der Abspann beginnt. Sie bleiben als Gefühl zurück – leise, schwer einzuordnen und überraschend nah. Aftersun von Charlotte Wells ist genau so ein Film.
Die elfjährige Sophie verbringt mit ihrem Vater Calum einen Sommerurlaub in der Türkei. Es passiert nicht viel Spektakuläres: Pool, Ausflüge, Hotelabende, ein Camcorder. Doch zwischen diesen scheinbar gewöhnlichen Momenten zeigt der Film eine wachsende Distanz, die Sophie als Kind noch nicht vollständig verstehen kann.
Paul Mescal spielt Calum mit großer Zurückhaltung. Er ist liebevoll, aufmerksam und oft voller Energie – und trotzdem liegt über ihm eine Traurigkeit, die der Film nicht erklärt. Gerade diese Lücken machen Aftersun so stark: Der Film vertraut darauf, dass man zwischen den Blicken und Pausen etwas spürt.
Frankie Corio als Sophie ist dabei das Herz des Films. Ihre Unbeschwertheit macht die stillen, dunkleren Momente umso berührender. Aftersun erzählt nicht von einem dramatischen Ereignis, sondern von Erinnerung: davon, wie wir Menschen, die wir lieben, manchmal erst Jahre später wirklich zu begreifen versuchen.
Fazit: Aftersun ist ein zarter, wunderschön beobachteter Film über Nähe, Verlust und die Dinge, die unausgesprochen bleiben. Kein lauter Film – aber einer, der lange nachwirkt.
Unsere Wertung: 9 von 10
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